IMG 9276  Junge Erwachsene und Recht

Mit großem Interesse folgten die Schüler der 8. Klasse dem Vortrag von Mag. Dieter Kocher – Rechtsanwalt in St. Michael – zu rechtlichen Fragen und Problemstellungen, die besonders junge Menschen betreffen, wenn sie die Schule verlassen und beginnen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Eingangs beschrieb Mag. Kocher den Ablauf eines Jus-Studiums und erläuterte den weiteren Ausbildungsweg hin zu den klassischen Berufsfeldern, die Juristen in Österreich offen stehen. Recht wird in unserem Land in drei Abschnitten mit einer Mindeststudiendauer von acht Semestern angeboten. Der erste Teil dauert zwei Semester und behandelt die Grundlagen des Rechtssystems wie z.B. Rechtsgeschichte. Im zweiten und wohl schwierigsten Abschnitt (vier Semester) werden die großen Bereiche Strafrecht, Bürgerliches Recht, Verwaltungsrecht u.ä. vermittelt. Im dritten Abschnitt spezialisieren sich die jungen Juristen dann in Wahl- und Pflichtfächern auf ihre jeweiligen Schwerpunkte und schließen ihr Studium mit einem Master ab. Eventuell kann dann noch ein Doktorat (wiederum zwei Semester mindestens) angeschlossen werden. Dieses ist aber eher für den Forschungsbereich gedacht.

Die klassischen Berufe, die ein fertiger Jurist anstreben kann, sind Richter, Rechtsanwalt oder Notar. Zurzeit gibt es in Österreich ca. 5.400 Rechtsanwälte, 1.200 Notare und eine nicht genannte Zahl von Richtern.

Um Richter zu werden,  benötigt man am Ende des Studiums noch mindestens vier Jahre einschlägige Praxisausbildung. Danach wird man vom Justizminister zum Richter ernannt, wobei in Österreich Frauen besonders bevorzugt werden. Ein Richter hat den Vorteil in eine Beamtenstellung eintreten zu können, muss dafür aber auch ein besonders hohes Maß an Verantwortung übernehmen. Und laut Mag. Kocher sind Richter nicht gerade überbezahlt.

Die Ausbildung bis zum „fertigen“ Rechtsanwalt dauert noch länger als die zum Richter. Neun bis zehn Jahre müssen dafür jedenfalls veranschlagt werden, der Berufsweg ist sehr fordernd und während der Ausbildung erhält man nur eine relativ geringe Bezahlung für seine Tätigkeit.

Im Fall der Notare gibt Kocher zu bedenken, dass die Anzahl der Notariate gesetzlich beschränkt ist und dass die Wartezeit zwischen  sieben und 15 Jahre angesetzt werden muss. In dieser Zeit ist man als sog. „Substitut“ angestellt. Ein Notar beschäftigt sich in der Hauptsache mit Verträgen, Beglaubigungen, Gesellschaftsgründungen und Verlassenschaften.

Die nächsten Schritte  behandelten dann wesentliche Grundbegriffe wie Volljährigkeit, Rechtsgeschäft und Schriftlichkeit, Garantie oder Gewährleistung. Des Weiteren erhielten die Schüler juristische Einblicke in die Themenbereiche „Das erste Auto“, „Die erste Wohnung“, „Interneteinkauf“ und viele andere mehr.

Abschließend konnten die Schüler einen echten Rechtsfall „durchspielen“, der ihnen zeigte, wie ein rechtsstaatlicher Prozess abläuft und welche Konsequenzen sich für die Beteiligten daraus ergeben. Die Schüler der 8. Klasse bedanken sich an dieser Stelle bei Mag. Kocher für einen sehr informativen und spannenden juristischen Workshop, der ihnen wichtige Einblicke in die Welt des Rechts ermöglicht hat. Auch für das folgende Jahr ist wieder eine derartige Veranstaltung geplant.
   
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